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Nettie Stevens (1861 - 1912)

Nettie Stevens, Foto 1904
Nettie Stevens, Foto 1904

Die amerikanische Genetikerin Nettie Stevens entdeckte um 1904 mit Hilfe eines Mikroskops ein Chromosom im Zellkern einer Fruchtfliege, das sich zwischen den Geschlechtern unterschied - das sog. x- bzw. y-Chromosom. Sie beschrieb auf dieser Basis die chromosomengebundene Vererbung des Geschlechts und ging damit in die Geschichte der Medizin ein. Wie groß ihr Anteil an dieser Theorie ist, ist allerdings umstritten, was nicht zuletzt an ihrem Lehrer T.H. Morgan lag, der für die Theorie den Nobelpreis bekam.

Nettie Stevens Biografie

Der Lebenslauf von Nettie Maria Stevens verlief eher unspektakulär. Sie wurde am 7. Juli 1861 in Baltimore (USA) geboren. Ihr Vater war Zimmermann. Die kleine Nettie hatte noch drei Geschwister, von denen jedoch zwei bereits im Kindesalter starben.

Nettie Stevens besuchte die öffentliche High School "Westford Academy". Dort machte sie 1880 ihren Abschluss.

1881 begann sie an der Westfield Normal School ein Studium der Biologie, das sie jedoch bereits im darauf folgenden Jahr abbrach. Vermutlich waren es die schnöde Alltagssorge, die sie ins Berufsleben trieb. Sie arbeitete von 1883 bis 1896 als Lehrerin.

Erst im Jahr 1896 - mit 35 Jahren -, wagte sie den Schritt, kündigte ihre Lehrerinnenstelle und setzte ihre eigentliche Berufung fort. Sie schrieb sich an der Stanford Universität für das Studium der Biologie ein.

Zytologie-Aufschwung dank neuer Mikroskope

Mikroskop von Nettie Stevens
Mikroskop von
Nettie Stevens

1899 schloss sie mit Bachelor ab und erwarb 1899 den Master-Titel. Ihr Schwerpunkt-Thema war die Zytologie (Zellkunde), eine damals recht junge Wissenschaft, die durch die bahnbrechenden Neuerungen durch Ernst Abbe und Carl-Zeiss im Gebiet der Mikroskopie enorm an Fahrt aufnahm. (Siehe dazu: Wie funktioniert ein Mikroskop?)

Dank der Berechnungen von Ernst Abbe konnten nun Mikroskope hergestellt werden, die eine zuverlässige Vergrößerung zuließen - und damit viele bis dahin unbekannte Zellstrukturen sichtbar machte.

Das Mikroskop auf der Abbildung rechts ist das Original-Mikroskop von Nettie Stevens (Foto vom Fotografen des Bryn Mawr College, Bildquelle). Es handelt sich um ein Mikroskop von Carl Zeiss Jena mit der Modellnummer 8261.

Morgan, Fruchtfliege und Chromosomen

Thomas Hunt Morgan, Foto 1904
Thomas Hunt Morgan,
Foto 1891

Anschließend schrieb sie sich am Bryn Mawr College ein, einer Privatuniversität in Pennsylvania. Dort lernte sie Edmund Beecher Wilson und dessen Nachfolger Thomas Hunt Morgan kennen. Letzterer wurde für seine Studien an der Fruchtfliege Drosophila melanogaster berühmt - die, wie sich später herausstellte, von Nettie Stevens erst als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand eingeführt wurde. Man könnte überspitzt auch sagen, dass Nettie Stevens die Zellbiologie revolutionierte, weil sie die Fruchtfliege mit ins Labor brachte.

1903 promovierte Nettie Stevens und wurde Doktor der Biologie. T.H. Morgan schrieb über sie: „Unter den graduierten Studenten, die ich in den letzten zwölf Jahren hatte, gab es keinen, der so fähig und unabhängig in der Forschung war, wie Miss Stevens ...“.

Wissenschaftliche Leistung von Nettie Stevens

Gregor Mendel
Gregor Mendel

Nettie Stevens war an den wissenschaftlichen Leistungen von Wilson und Morgan beteiligt. Sie erkannte, dass sie die Chromosomen von Fruchtfliegen unterscheiden: die weiblichen (XX) und männlichen (XY-Chromosomen). Auf dieser Grundlage konnte T.H. Morgen seine weltberühmte Theorie von den Genen, die aneinander gereiht auf den Chromosomen liegen. 1933 erhielt er dafür den Nobelpreis für Medizin. Die Grundlagen der Vererbung hatte bereits knapp 80 Jahre vorher der Mönch Gregor Mendel durch Kreuzungen von Erbesen gelegt.

Thomas Hunt Morgan schrieb im Nachruf auf Nettie Stevens 1912: "Moderne zytologische Forschung bringt eine Komplexität des Details mit sich, die nur der Spezialist alleine wahrnehmen kann; aber Miss Stevens leistete einen bedeutenden Beitrag und ihre Arbeit wird deswegen niemals vergessen werden, da ihre minutiösen, detaillierten Forschungsergebnisse in das Gesamtbild des Forschungsobjektes eingefügt wurden."

Anders gesagt: der Förderer und Lehrer stellte Nettie als ein Zahnrad dar, das sich hne ihn als "Spezialisten" nicht drehen würde. Heutige Forscher stufen den Beitrag von Nettie Stevens durchaus höher ein. Ohne sie wäre Morgen womöglich nie zu seinen Ergebnissen gekommen.

Wie auch immer: Nettie Stevens hat einen entscheidenden Beitrag zur Chromosomentheorie der Vererbung geleistet. Sie gehört zu den "Pionieren der klassischen Genetik".

Nettie Stevens starb am 4. Mai 1912 in Baltimore an Brustkrebs.

Cyanografien Buch von Anna Atkins
Nettie Stevens - colorierte Fotografie von 1904 (Bildquelle)

Google Doodle zu Ehren von Nettie Stevens

Der Suchmaschinenriese Google widmet Anna Atkins anlässlich ihres 155. Geburtstages am 7.7.2016 ein sog. Google Doodle auf der Startseite, um ihre Leistungen damit zu würdigen. Das Doodle zeigt das Google Logo als comichaft gezeichnete Szene. Man erkennt Nettie Stevens in der Mitte, die durch ihr (oben gezeigtes) mikroskop schaut. Das erste Google-o ist wie ein mikroskopisches Bild gemalt, in dem ein x- und ein y-Chromosom zu erkennen ist. An der hinteren Wand sind Zeichnungen von Fliegen bzw. Fliegenlarven zu sehen.

Nettie Stevens Google Doodle Google Doodle zu Ehren von Nettie Stevens

Ob Nettie bei der ARbeit wirkllich ein Brille trug, ist unklar, siehe: Mikroskopieren mit Brille oder nicht? Update: doch, tatsächlich. Diese Bild gibt Aufschluss, es war offensichtlich auch die Vorlage für das Doodle.

Nettie Stevens Google Doodle
Nettie Stevens mit Brille am Mikroskop (Google Doodle)

Google schreibt zu diesem Doodle: "What are the genetics behind gender? This simple question drove the work of Nettie Stevens. Building on research by Edmund Beecher Wilson and Thomas Hunt Morgan at Bryn Mawr, Stevens discovered the connection between chromosomes and physicality. Her breakthrough evolved into the XY sex-determination system, now taught in classrooms around the world.
Stevens died of breast cancer 155 years ago, but her discovery lives on in today’s Doodle.
" (Quelle)

Hier das Stevens-Doodle als Video (Quelle):

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